"Sozialkapital in Wiener Kleingartenvereinen"

Social Capital in Allotment Garden Estates in Vienna

Projekt in Eigeninitiative

Finanziert durch den „Club of Vienna“ (www.clubofvienna.org)
Projektleitung: Prof.Dipl.Ing. Ernst Gehmacher (Club of Vienna)
Projektpartner: Dr. Günter Stummvoll (www.mediacult.at)
In Kooperation mit dem Zentralverband der Kleingärtner und dem Landesverband Wien
Laufzeit: Mai 2014 bis Jänner 2015

Die Kleingartenbewegung hat in Wien eine bald 100-jährige Geschichte. Heute gibt es in der Stadt 26.831 Kleingärten, die in 247 Vereinen und 13 Bezirksorganisationen organisiert sind. Kleingartenvereine sind traditionell durch hohen sozialen Zusammenhalt gekennzeichnet. Das gemeinsame Interesse an der eigenen kleinen „Landwirtschaft“ mit Obst- und Gemüseanbau (Selbstversorgungskultur), an der Gartengestaltung (Ziergarten), aber auch am Handwerk (Haustechnik) formt und fördert das nachbarschaftliche Gemeinwesen. Ist dieses „soziale Kapital“ in Zeiten virtueller Gemeinschaften (Social Media) noch relevant? Welche informellen Interessensgemeinschaften lassen sich in Kleingartenvereinen heute noch nachweisen? In wie fern ist bei Kleingartenvereinen überhaupt noch von Gemeinwesen zu sprechen? Wie intensiv sind die Sozialkontakte? Wie hoch ist die Anonymität?
Welche Bedeutung hat ein Schrebergarten für die Menschen heute? Nutzgarten? Ziergarten? Erholungs- und Rückzugsgebiet? Besteht weiterhin eine Gesinnungsgemeinschaft der KleingärtnerInnen innerhalb einer neuen Ökologiebewegung ("Urban Greening")? Oder steht seit der baurechtlichen Umwidmung zugunsten "ganzjährigen Wohnens" lediglich die Wohnfunktion im Vordergrund?  Wie werden Kleingartenvereine in Zukunft organisiert sein? Wird das freiwillige Engagement in der Vereinskultur sukzessive durch professionelle Verwaltungseinrichtungen nach dem Vorbild der Hausverwaltungen ersetzt werden?
In einer kultursoziologisch-ethnografischen Studie erforschen wir die geschichtliche Entwicklung und die aktuelle soziale Lebenswelt der KleingärtnerInnen in Wien mit dem Ziel der Förderung des Gemeinwesens in der Wiener Bevölkerung. In diesem Projekt wurde die Methode der partizipativen Aktionsforschung gewählt (Hella von Unger: Partizipative Forschung. Springer VS Verlag. 2014):
"Partizipative Forschung ist ein Oberbegriff für Forschungsansätze, die in der Tradition der Aktionsforschung stehen und soziale Wirklichkeit partnerschaftlich erforschen und beeinflussen" (Hella von Unger, S.13).
„Es geht nicht (nur) darum, deskriptiv wiederzugeben, wie gesellschaftliche Akteure die Wirklichkeit in ihrer Alltagswelt wahrnehmen, sondern darum, an dieser Perspektive anzuknüpfen und sie in partizipativen Prozessen gemeinsam zu hinterfragen, zu erweitern und zu vertiefen (Hella von Unger, S.100)“.
Den theoretischen Hintergrund zum Begriff des Gemeinwesens bieten die Klassiker der Soziologie Ferdinand Tönnies und Emile Durkheim, sowie die stadtsoziologischen Arbeiten von Georg Simmel, Pierre Bourdieu und Henri Lefebvre (und anderen).
Derzeit wird mit zwei Wiener Kleingartenvereinen kooperiert:

Eine Erweiterung des Projekts auf andere KGVs wird nicht ausgeschlossen.

 

Popularmusikalisches Erbe, kulturelles Gedächtnis und kulturelle Identität. Lokale Popmusikgeschichte und ihre Bedeutung für HörerInnen und die Musikindustrie (POPID)

Projekt im Rahmen des HERA-Programmes “Cultural Dynamics: Inheritance and Identity” (Humanities in the European Research Area) in Kooperation mit Susanne Janssen (University of Rotterdam), Sarah Cohen (University of Liverpool) und Peter Stankovic (University of Ljubljana).
Projektleitung (Österreich): Alfred Smudits
Bearbeitung: Thomas Herscht, Rainer Prokop
Projektdauer: Juni 2010 – Juni 2013

The Popular Music Heritage, Cultural Memory and Cultural Identity (POPID) project is financially supported by the HERA Joint Research Programme (www.heranet.info) which is co-funded by AHRC, AKA, DASTI, ETF, FNR, FWF, HAZU, IRCHSS, MHEST, NWO, RANNIS, RCN, VR and The European Community FP7 2007-2013, under the Socio-economic Sciences and Humanities programme.

Das POPID-Projekt widmet sich der Bedeutung von Popularmusik bei der Ausbildung kultureller Identitäten und eines lokalen bzw. nationalen Kulturerbes. Ziel des Projektes ist es einerseits zu prüfen, welche Rolle lokaler Popularmusik bei der Aushandlung kultureller Identitäten in lokalen, nationalen und europäischen Kontexten zukommt. Andererseits soll die Frage geklärt werden, inwieweit die europäische Musikindustrie in der Lage ist, diese Verbindung der Hörerinnen und Hörer zum jeweiligen lokalen popularmusikalischen Erbe in einer Weise zu bedienen, die für das Publikum bedeutungsvoll ist.

Bisher gab es in einem europäischen bzw. internationalen Kontext noch keine Untersuchungen zu den Zusammenhängen von kulturellem Gedächtnis, Popmusikgeschichte und Lokalität. Der Großteil der wissenschaftlichen Literatur befasst sich mit Fragen der Darbietung von Popularmusik. Die Bedeutung des ortsbezogenen popularmusikalischen Erbes im Prozess der Aushandlung kultureller Identitäten durch die Hörerinnen und Hörer wurde eher vernachlässigt. Was ebenso aussteht, ist die Untersuchung der Frage, wie diese Artikulationen in den Geschäftspraktiken der globalen Popmusikindustrie reartikuliert werden. Das Projekt wird versuchen, diese Leerstelle zu schließen, indem es die Unterschiede im Verständnis von popularmusikalischem Erbe sowohl unter den Hörerinnen und Hörern als auch in der Industrie untersucht.

Die Untersuchungen werden an 19 Plätzen in vier europäischen Ländern durchgeführt:

• Österreich (Wien, Linz, Graz, Tirol und Kärnten)
• England (London, Liverpool, Manchester, Leeds und Sheffield)
• Niederlande (Amsterdam, Den Haag, Rotterdam, Achterhoek/Liemers und Limburg)
• Slowenien (Ljubljana, Maribor, Koper und Murska Sobota)

Die vier Staaten, die an diesem Projekt beteiligt sind, bieten sowohl in kultureller als auch in geographischer Hinsicht sehr unterschiedliche Untersuchungsszenarien. Die fünf für die österreichische Fallstudie ausgewählten Städte bzw. Bundesländer repräsentieren sowohl Regionen, die bereits wichtige Beiträge zur nationalen und globalen Musikwirtschaft geleistet haben, als auch Gebiete, die kaum ein lokales popmusikalisches Erbe aufweisen. Die Feldarbeit umfasst Interviews mit Industrievertretern und Archivaren, Fokusgruppen und Tiefeninterviews mit Hörerinnen und Hörern an den verschiedenen Orten. Um einen systematischen Vergleich innerhalb und zwischen den beteiligten Staaten zu ermöglichen, wird ein mehrsprachiger Leitfaden mit den zentralen Forschungsfragen erstellt, der in allen Interviews und Gruppendiskussionen zur Anwendung kommt.

 

Dynamiken von Crossover-Moden. Eine feldtheoretische Untersuchung des Balkanmusik-Booms in Österreich

Auftraggeber: FWF (Fonds zur Förderung der Wissenschaft und Forschung)
Projektleitung: Andreas Gebesmair
Bearbeitung: Regina Sperlich, Anja Brunner, Silvija Rapa
Projektdauer: September 2008 – Dezember 2010

Seit der Jahrtausendwende verbreitet sich in Westeuropa eine neue musikalische Mode: Balkanmusik. Der Komponist Goran Bregovic, die Blasmusikkapelle Fanfare Ciocarlia, DJ Shantel & the Bukovina Club wie auch Fatima Spar and the Freedom Fries erfreuen sich bei westeuropäischen HörerInnen und KritikerInnen der Presse enormer Beliebtheit. Balkanmusik wurde bereits in den 1970ern und 1980ern von so genannten Gastarbeitern in die städtischen Zentren vor allem Deutschlands und Österreichs gebracht. Aber erst am Ende des Jahrhunderts wurde sie in einem größeren Rahmen unter der deutschsprachigen Mehrheit dieser Länder vermarktet. Gibt es eine Erklärung für den Crossover-Erfolg der Balkanmusik beim urbanen Publikum zu diesem Zeitpunkt? Mehr


Embedded Industries. Cultural Entrepreneurs in different Immigrant Communities of Vienna

Auftraggeber: WWTF (Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds)
Projektleitung: Andreas Gebesmair
Bearbeitung: Michael Parzer, Silvija Rapa
Kooperationspartner: Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)
Institut für europäische Ethnologie (Universität Wien)
Projektdauer: Jänner 2007 bis März 2009

Die Kultur der Migrantinnen und Migranten erfreut sich auch jenseits der Einwanderergemeinschaften zunehmender Beliebtheit. Die „Bollynights“-Clubbings, das Kulturfestival „Salam Orient“ oder die chinesischen Neujahrskonzerte im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins sind nur ein paar Beispiele migrantischer Kultur, die aus dem Wiener Kulturleben nicht mehr wegzudenken sind. Sie bilden aber nur einen kleinen Teil jenes kulturellen Unternehmertums, das mit der globalen Migration in die urbanen Zentren Europas gelangte.
Die Vielfalt migrantischer Kreativwirtschaft in Wien sichtbar zu machen, war das Hauptanliegen des im Mai 2009 abgeschlossenen Projektes „Embedded Industries. Cultural Entrepreneurs in Different Immigrant Communities of Vienna“.
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