Embedded Industries. Cultural Entrepreneurs in different Immigrant Communities of Vienna  
 

Auftraggeber: WWTF (Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds)
Projektleitung: Andreas Gebesmair
Bearbeitung: Michael Parzer, Silvija Rapa
Kooperationspartner: Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)
Institut für europäische Ethnologie (Universität Wien)
Projektdauer: Jänner 2007 bis März 2009

Die Kultur der Migrantinnen und Migranten erfreut sich auch jenseits der Einwanderergemeinschaften zunehmender Beliebtheit. Die „Bollynights“-Clubbings, das Kulturfestival „Salam Orient“ oder die chinesischen Neujahrskonzerte im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins sind nur ein paar Beispiele migrantischer Kultur, die aus dem Wiener Kulturleben nicht mehr wegzudenken sind. Sie bilden aber nur einen kleinen Teil jenes kulturellen Unternehmertums, das mit der globalen Migration in die urbanen Zentren Europas gelangte.

Die Vielfalt migrantischer Kreativwirtschaft in Wien sichtbar zu machen, war das Hauptanliegen des im Mai 2009 abgeschlossenen Projektes „Embedded Industries. Cultural Entrepreneurs in Different Immigrant Communities of Vienna“. Unter der Leitung des außeruniversitären Forschungsinstituts mediacult wurden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) und dem Institut für Europäische Ethnologie (Universität Wien) ausgewählte kreativwirtschaftliche Unternehmungen (Musik, darstellende Kunst, Film und Medien) der türkischen, chinesischen und südasiatischen Einwanderer untersucht. Der Bogen reicht dabei von Kulturvereinen und religiösen Organisationen, die sich um die Bewahrung und Weitergabe von kulturellen Traditionen bemühen, über das reiche Angebot an Festen und Aufführungen bis hin zu den Kulturindustrien im engeren Sinne: CD- und DVD-Vertriebe, Radio- und Fernsehsendungen sowie Printmedien. Aus der disziplinenübergreifenden Ausrichtung des Projekts ergab sich eine vielfältige Anwendung von unterschiedlichen Forschungsperspektiven, theoretischen Zugängen und Methoden (Feldforschung, qualitative Interviews, Fragebogenerhebung, Netzwerkanalyse, Artefaktanalyse).

Zwei Themenbereiche standen dabei im Zentrum: Zum einen galt es die strukturelle Einbettung migrantischer Kulturarbeit einer genaueren Prüfungen zu unterziehen. Die Nachfragebedingungen in und jenseits der Community, gesetzliche Bestimmungen (vor allem Fremden- und Gewerberecht), Kultur- und Unternehmensförderpolitik, aber auch die individuellen Ressourcen wie Bildung, Kapital und persönliche Netzwerke bilden den Rahmen kreativwirtschaftlicher Tätigkeit. Interessanterweise zeigte sich in der Analyse, dass entgegen weit verbreiteter Annahmen die Unterstützung aus dem familiären Umfeld nicht der Kompensation struktureller Benachteiligungen dient. Informelle Netzwerkressourcen werden vor allem von jenen mobilisiert, die bereits starke Bindungen zur Aufnahmegesellschaft aufgebaut haben und aufgrund ihrer sozialen Herkunft über entsprechende kreativwirtschaftliche Kompetenzen verfügen. Zum anderen war das Projekt der Frage gewidmet, in welcher Weise die Kulturschaffenden und Vermittler kulturelle Traditionen aufgreifen, akzentuieren und verändern. Hierbei zeigte sich eine starke Tendenz der Hervorhebung ethnischer Klischees und Stereotypen als Mittel der Vermarktung. Damit geht allerdings auch die Gefahr der Stigmatisierung und Einschränkung des kreativwirtschaftlichen Handlungsspielraumes einher. Demgegenüber ist aus einer ethnomusikologischen Perspektive eine Anpassung von kulturellen Traditionen an andere Kontexte zu beobachten. Dadurch entstehen hybride Formen der Kulturausübung, die mitunter neue Beschäftigungsmöglichkeiten für migrantische Kulturunternehmerinnen und -unternehmer darstellen.

Die wichtigsten Ergebnisse wurden Ende 2009 in einer Buchpublikation und einer DVD mit vier in die Thematik einführenden Filmen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In Kooperation mit der Hauptbücherei Wien fand am Mittwoch, dem 20. Jänner 2010 um 19:00 die Buchpräsentation und ein Podiumsgespräch statt:

Andreas Gebesmair (Hrsg.): Randzonen der Kreativwirtschaft. Türkische, chinesische und südasiatische Kulturunternehmungen in Wien (LIT-Verlag 2009).

Podiumsgespräch mit Sandeep Kumar (Filmemacher, skfilmz), Pinie Wang (DJ und Künstlerin) und Tanju Cengiz (Jurist und Veranstalter), Cornelia Kogoj (Generalsekretärin der Initiative Minderheiten), Andreas Gebesmair (Leiter des Instituts mediacult), Moderation: Monika Mokre (Politikwissenschaftlerin an der Österr. Akademie der Wissenschaften).